Das Anforderungsprofil an Vielseitigkeitspferde


Noch vor über 10 Jahren war im Langprüfungssystem das absolut harte und ausdauernde Vielseitigkeitspferd gefragt. Galt es enorm lange Strecken im Gelände zurückzulegen.

Beginnend mit der Wegestrecke I als Aufwärmphase mit der folgenden Rennbahn, die mit Spitzengeschwindigkeiten über hohe durch die Pferde zu streifende Hecken zurückzulegen waren um sich dann wieder auf der langen Wegestrecke II im Trab für das Gelände zu erholen.

Das Kernstück war seinerzeit die Geländeprüfung mit hohen und weiten Sprüngen die es galt möglichst in der vorgeschriebenen Bestzeit zu absolvieren.

Die Dressur und das Springen spielte bei diesem Prüfungssystem eher die untergeordnete Rolle. So konnten sich oftmals Reiter und Pferde mit mittelmäßigen oder sogar schlechten Dressuren noch durch das Gelände in die Platzierungsränge vorarbeiten. Nicht selten kam es vor, dass sogar Pferde aus dem letzten Drittel nach der Dressur siegreich waren.

Gefragt war der harte ausdauernde Vollblüter, bei dem man oftmals Defizite in der Dressur hinnahm. Länder wie Australien, Neuseeland, Irland und England waren die Hauptlieferanten dieses Pferdetyps.


Durch die Einführung des Kurzprüfungssystems war dieser Pferdetypus nicht mehr gefragt. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf die Dressur und das Springen. Was lag da näher als sich auf dem deutschen Markt nach blutgeprägten Pferden mit den vorhandenen Dressur- und Springgenen umzusehen. Dieses funktionierte in der Zwischenzeit gemessen an den Erfolgen der deutschen Reiter und den ausländischen Reitern mit deutschen Pferden auch sehr gut.


Damit das Kurzprüfungssystem nicht zu einer Dressurprüfung mit Geländeteil aversierte, wurde der Geländeaufbau ständig mehr technisiert.

Dieses hat zum einen zur Folge, dass die technischen Elemente im Gelände konzentrierter und teilweise im Parcourstempo angeritten werden müssen und es dadurch schwieriger wird die Bestzeit im Gelände zu erreichen. So müssen zwischen den einzelnen Hindernissen Geschwindigkeiten von über 800 Meter pro Minute zurückgelegt werden. Dieses Tempo brauchte nicht einmal beim Langprüfungssystem auf der Rennbahn geleistet werden, wo die Pferde 690 Meter pro Minute leisten mussten.


Um diesen Anforderungen nachzukommen, wird ein immer höherer Vollblutanteil des Vielseitigkeitspferdes erforderlich, nicht allein wegen der Sprintfähigkeit und Härte des Vollblüters, sondern auch wegen seiner besseren Reaktionsfähigkeit und Schnelligkeit bei der Bewältigung der technischen Elemente.

Braucht ein hoch im Blut stehendes Pferd keine 100% zu geben, geht das warmblütrige Pferd oft schon am Limit, von der späteren Regenerationsfähigkeit einmal ganz zu schweigen.


In letzter Zeit ist festzustellen, dass sich der technische Aufbau auf ein Maß ausgedehnt hat, dass es den Pferden immer schwieriger macht ihre Aufgaben klar zu erkennen. Sprechen Menschen von Burnout, so gilt es für die Pferde einen neuen Begriff zu finden. Mit den gestellten Aufgaben sind die meisten Pferde häufig total überfordert. Selbst im Training lassen sich nicht alle Pferde auf diese erschwerten technischen Situationen vorbereiten, wobei man aber auch hier feststellen kann, dass das hoch im Blut stehende Pferd diese Aufgaben besser zu meistern versteht.